Petition für Hans Roth – es ist soweit

Die unermüdlich für die Sache Hans Roths agierende Nadja Thelen-Khoder hat am Freitag, den 20.3.09 eine Petition beim Deutschen Bundestag sowie beim Hessischen Landtag eingereicht, die ich an dieser Stelle im Wortlaut wiedergebe (mit der Übersicht förderlichen kleinen Umformatierungen der Verlinkungen und der Forderungen):

Hiermit reiche ich,

Nadja Thelen-Khoder (Adresse)

eine Petition ein für

Herrn Hans Roth (Adresse)

Meine Petition bezieht sich auf die Tatsachen, die unter folgenden Links jederzeit angehört bzw. angesehen werden können:

Erreichen will ich insbesondere

  • die ausdrückliche Rücknahme der Formulierung in der Ablehnung Herrn Roths als Beamter, „daß er die für die Einstellung als Lehrer im Beamtenverhältnis erforderliche charakterliche Reife …nicht besitzt“ (Begründung des Widerspruchsbescheides vom 13. September 1978; siehe Anlagen);
  • „die ‚Wiedereinsetzung in den status quo ante’ vor der Fälschung (eine uralte Forderung der hessischen CDU)“ [Diese Formulierung übernehme ich wörtlich aus dem Brief von Herrn Roth an mich und berufe mich dabei auf die zahlreichen Dokumente in den Anlagen meiner Erklärung „An alle Mitglieder des Petitionsausschusses“];
  • eine angemessene Wiedergutmachung für die ihm zugefügten Ungerechtigkeiten, begangen von unterschiedlichster Seite, sowohl vom Land Hessen und seinen Behörden als auch von Seiten des Bundes (Militär und Verfassungsschutz);
  • eine moralische und juristische Rehabilitation für Herrn Hans Roth.

Dies will ich als Mensch erbitten, als Bürger fordern, dafür will ich werben und greife an die für mich unerträgliche Antwort bzw. Nicht-Antwort des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch in seinem Brief an mich vom 5. Januar 2009 (siehe Anlagen). Unerträglich deshalb, weil es nichts Ärgeres gibt in einer demokratischen Republik wie der unsrigen, als wenn der Staat sich nicht an Recht und Gesetz hält. Und wenn solch wesentliche Grundwerte unserer Verfassung gebrochen werden wie Artikel 3,3 unseres Grundgesetzes oder das Verbot, die Bundeswehr im Innern einzusetzen, ist dies ein schweres Verbrechen dem Staat und allen seinen Bürgern gegenüber.

Ausdrücklich hinweisen will ich auf die zahlreichen Veröffentlichungen in Presse und Rundfunk, fast immer zu Herrn Roths Gunsten, zuletzt die oben erwähnte Sendung von „Report Mainz“ (ARD, 1.Dezember 2008). In meiner Erklärung „An alle Mitglieder des Petitionsausschusses“, die unbedingt zu dieser Petition gehört, befindet sich ein Anhang, der einige Links zu Dokumentationen zum „Fall“ Roth enthält, die ihrerseits wiederum von Zeitungsartikeln nur so strotzen.

Sollte ich noch irgendetwas in dieser Angelegenheit tun können, bitte ich Sie dringend um sofortige Benachrichtigung.
In der Hoffnung, daß diese nun jahrzehntelange Geschichte zu einem guten Ende kommen kann, verbleibe ich

hochachtungs- und hoffnungsvoll

Nadja Thelen-Khoder

Köln, den 19. März 2009

Petition für Hans Roth als PDF (0,1 MB)

Frau Thelen-Khoder ruft zudem in diesem Kommentar jeden Interessierten dazu auf, diese Petition ebenfalls einzureichen.

Viele Dokumente zum »Fall« Hans Roth, die Frau Thelen-Khoder zusammengesucht und eingescannt hat,  habe ich im Ursprungsbeitrag gesammelt. Zwei Erklärungen Hans Roths habe ich in diesem Beitrag wiedergegeben.

Ich hoffe sehr, dass diese Petition es zu erreichen vermag, dass Hans Roth eine späte Wiedergutmachung erfährt.

Nachtrag am 25.3.09: Hans Roth hat am 17.3. eine Erklärung verfasst, die ich im Ursprungsbeitrag als PDF hinterlegt habe.

Nachtrag am 30.3.2009: Nadja Thelen-Khoder hat einen ausführlichen Nachtrag zu ihrer Petition verfasst, den ich ebenfalls im Ursprungsbeitrag als PDF verlinkt habe.

Hans Roth bei Telepolis

Es tut ich was! Jetzt hat auch »Spiegelfechter« Jens Berger bei Telepolis einen Beitrag zu Hans Roths Fall veröffentlicht (und darauf auch in seinem Blog verlinkt), auf den ich vor einiger Zeit hingewiesen habe. Hoffentlich führt das zu regerem Interesse und weiterer Unterstützung für Herrn Roth!

Nadja Thelen-Khoder, die sich weiterhin unermüdlich engagiert und auch Jens Berger auf den Fall aufmerksam gemacht hat, hat mich gebeten, eine PDF mit einigen eingescannten Seiten aus Hans Roths Buch »Aufrichten oder abrichten« von 1980 hier einzustellen. Diesem Wunsch komme ich selbstredend gerne nach. Weshalb sie diese Seiten für lesenswert hält, erläutert sie in diesem Kommentar.

Hans Roth – Aufrichten oder abrichten – Seiten 52 bis 75 (PDF, 8,2 MB)

Nachtrag am 25.3.2009: Im Ursprungsbeitrag habe ich erneut Dokumente als PDFs online gestellt.

Petition für Hans Roth – wider der politischen Willkür

Leider hat der Fernsehbeitrag, auf den ich in meinem letzten Beitrag zum Fall Hans Roth hingewiesen habe, relativ wenig Nachhall in der Öffentlichkeit erfahren. Bis heute findet man z. B. bei der Suche im WWW keine ergänzende Berichterstattung weiterer Medien und nur einzelne Diskussionen in Foren zum Fall Hans Roth. Es ist schon ziemlich frustrierend, zu sehen, wie die halbe Republik und alle Medien geschlossen über das Dschungelcamp diskutieren bzw. berichten, während ein so eklatanter, wichtiger Fall schreiender Ungerechtigkeit einmal mehr sang- und klanglos in der Versenkung verschwindet. Man versteht jetzt vielleicht, wie es überhaupt sein kann und konnte, das diese Angelegenheit derart lange unbeachtet blieb.

Umso höher muss man jemandem anrechnen, wenn er trotzdem nicht zynisch wird und aus seiner Empörung vielmehr die Kraft schöpft, sich zu engagieren, den persönlichen Kontakt zu Herrn Roth zu suchen und falls es möglich ist, zu helfen. Nadja Thelen-Khoder tut dies und dokumentiert ihr Tun seit Dezember in den Kommentaren des letzten Artikels. Ich möchte hier, um diese Bemühungen zumindest ein wenig zu unterstützen, die beiden dort veröffentlichten Erklärungen Hans Roths herausstellen. Leider ist mein Blog derzeit noch nicht mit vielen Besuchern gesegnet, aber die Chance, diese Erklärungen überhaupt zu lesen, könnte in einem regulären Beitrag doch höher sein, als wenn sie in den sehr umfangreichen Kommentaren untergehen.

Ich wünsche Frau Thelen-Khoder und natürlich vor allem Hans Roth, dass ihre Bemühungen Früchte tragen und eine Petition zustande kommt, die letztlich doch noch etwas bewegt.

Erklärung Hans Roths vom 17.1.09

Der Hessische Ministerpräsident hat kürzlich zwei öffentliche Erklärungen abgegeben, die einen Sach- und Menschenverhalt betreffen, der mit meinem Namen verbunden ist. Die eine lautete, dass er „den Fall nicht kennt“, die andere lautete, dass er den Fall so genau kennt, dass er mit Bestimmtheit sagen kann, ich sei „auf eigenen Wunsch mit Wirkung vom 31. Juli 1979 aus dem hessischen Schuldienst ausgeschieden“.
Beide Erklärungen sind immanent widersprüchlich – und unwahr, wie alle anderen vorhergehenden auch (z.B. die seiner versprochenen Einladung in die Hessische Staatskanzlei, nach meiner Krebs-Operation).

Hierzu erkläre ich: Wahr ist, dass ich immer wieder falsche Fehler gemacht habe, dass ich manchmal „Nein“ gesagt habe, wo Andere „Ja“ sagten, z.B. als Offizier zu den Notstandsgesetzen, als Citoyen zum „Extremisten“-Beschluß, als Sozialist zum „Realen Sozialismus“. So habe ich auch „Nein“ gesagt zu jenem sogenannten „Mogelpaket“, das vorsah, dass Menschen wie ich äußerst fragile Anstellungsverträge fortgesetzt bekamen, wenn sie in den Kuhhandel einwilligten, den Status quo des Berufsverbots zu akzeptieren, also nicht die studierten „Gewissensfächer“ (bei mir Sozialkunde und Ev. Religion) zu unterrichten, und auch niemals eine Klasse zu führen; bei mir wurde zusätzlich verlangt, meine schwer wiegende Klage auf Offenlegung meines – gefälschten – geheimen Dossiers zurückzuziehen. Dies habe ich abgelehnt aus grundsätzlichen politischen und pädagogischen Erwägungen.

Die hessische CDU fand das übrigens damals gut, dass ich das „unsittliche Angebot“ der damaligen SPD-Regierung nicht annahm; sie forderte damals – u.a. auch nach einem Gerichtserfolg – meine sofortige „Wiedereinsetzung in den Status quo ante“ vor meiner „Extremisten“-Typisierung (G. Milde, Fraktionsvorsitzender, schriftlich; H. Geipel, Verfassungsschutzobmann, mündlich); der CDU-Verfassungsschutz-Präsident C. Lochte schrieb mir einen ausdrücklichen Persilschein aus – und bat mich um Verzeihung für das, was mir angetan worden war. Das soeben Gesagte wurde gerichtlich geprüft und blieb unwidersprochen; der Bundespräsident, nach dreijähriger Prüfung durch seinen Verfassungsexperten, segnete das Ganze schriftlich ab.

Ich bin auf einem Weg gegangen, den ich nicht bereue. Ich bin immer den Verheißungen von Demokratie und Rechtsstaat gefolgt, jetzt 35 Jahre lang: Seit meiner Krebs-Erkrankung bin ich nach den Kriterien des Internationalen Strafrechts-Tribunals ein Fall von „Folter“.
Fortsetzung folgt später.

Hans Roth

Erklärung Hans Roths vom 26.1.09

Von der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen gefragt, ob ich „bereits einmal eine Petition in (m)einer Sache eingereicht“ habe und ob ich mit einer „Petition an den Petitions-Ausschuss des Hessischen Landtags und des Deutschen Bundestages“ einverstanden bin, antworte ich zum einen mit Nein, zum anderen mit Ja. – Ich bitte nicht für mich; ich bat dagegen für andere (Verbotene), so für H. Bastian und S. Gingold im Westen und für W. Biermann und R. Bahro im Osten; auch habe ich einst die „Charta 77“ unterzeichnet, als mein Freund Petr Uhl deren Sprecher war.

Mit einer Petition, eingereicht von der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, wäre ich sehr einverstanden. Sie schlösse sich an an Petitionen von H. Böll und W. Brandt, A. Grosser und H. von Hentig, W. Klafki und U. Klug, S. Mansholt und D. Sölle, K. Traube und G. Wallraff; zuletzt schrieb mein Freund P. Lavigne, einer der letzten noch lebenden Helden der Résistance, als 90-jähriger Christdemokrat der ersten Stunde die beiliegende Petition – aus Anlass einer öffentlichen Einlassung eines christdemokratischen Ministerpräsidenten, die ihn entsetzte.

Mir wäre lieb, wenn bei der geplanten Eingabe zur Sprache käme der Kern meiner geheimen Verfassungsschutzakte: die „Dreyfus-Affäre“ der Umfälschung meiner Person in einen „DKP-Lehrer“, vorgenommen durch eine geheime Organisation der hessischen CDU, die „Aktion 76“; deren Vorsitzender, ein CDU-Abgeordneter, zerrte mich einst an die Öffentlichkeit (s. Anlage). – Der hessische Ministerpräsident, dem ich die 13. bis 15. Ablehnungs-Begründung verdanke und der sich wie ein letzter Mohikaner jener „Aktion 76“ verhält, kann über deren Finanzierung Auskunft geben.

Vielleicht kann die geplante Petition zu meinem Menschen- und Sachverhalt, in dem es nicht nur um ein lebenslängliches Berufsverbot mit Nazi-Formel und um einen Fall von „Folter“ geht, sondern auch um die Achtung des Rechts, zur Rehabilitierung politischen Denkens und Handelns beitragen; im Unterschied zu (para)militärischem Denken und Handeln hat es kein Feindbild, hat es immer Vermittlung, Befriedung, Versöhnung im Hinterkopf.

Hans Roth

Bitte beachten Sie auch die Nachträge im Ursprungsbeitrag, die viele Artikel, Briefe und Erklärungen enthalten, die Hans Roth zur Verfügung gestellt hat.

Der Fall Hans Roth – Berufsverbot seit 30 Jahren

Hans Roth Report Mainz hat gestern über den aussichtslosen Kampf des Lehrers Hans Roth berichtet, der seit dreißig Jahren von der hessischen Landesregierung mit einem Berufsverbot belegt wird. Begründet wurde die Entscheidung damals mit dem Extremistenbeschluss, doch es wurde schon bald widerlegt, dass Roth als Extremist bezeichnet werden könnte. Das Berufsverbot wurde seither trotzdem auf der Grundlage weiterer fragwürdiger Begründungen aufrechterhalten. Trotz mehrerer prominenter politischer Fürsprecher ist es bis heute nicht gelungen, die hessische Landesregierung zum Umlenken zu bewegen. Roland Koch bestreitet auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz sogar, den Fall überhaupt zu kennen, obwohl er sich laut Report Mainz mehrfach persönlich damit befasst hat. Auf der Seite von Report Mainz kann man sich den Beitrag ansehen und den Sendungstext auch lesen. Besonders interessant ist aber auch deren Beitrag von 1978 (!) zum Fall. Aus demselben Jahr gibt es online einen Zeit-Artikel zum Thema zu lesen.

Nachtrag am 15.3.09: Frau Thelen-Khoder macht seit Verfassung dieses Beitrags immer wieder Briefe, Artikel und Dokumentationen ausfindig. Ich komme gerne ihrem  Wunsch nach, diese hier zum Download bereitzustellen und werde sie nach und nach ergänzen:

Hans Roth – Artikel und Briefe
(PDF, 1,4 MB). Diese PDF enthält Scans folgender Artikel und Briefe:

  1. Zeitungsartikel aus der Gießener Allgemeine Zeitung, 31.8.1974
  2. Zeitungsartikel aus dem Darmstädter Echo, 13.1.1978
  3. Brief von Prof. Dr. Dorothee Sölle, 15.8.1976
  4. Erklärung von Günter Wallraff, 19.2.1979
  5. Brief von Bundespräsident Johannes Rau, 15.8.2002
  6. Brief von Alfred Grosser, 7.12.2008
  7. Brief von Pierre Lavigne, 21.12.2008
  8. Text von Hartmut von Hentig: „Qualität und Qualifikation. Ein Nachwort zum Lehrer Hans Roth“, 1990
  9. Zeitungsartikel aus der Frankfurter Rundschau:  „Wie man in den Ruch kommt, ein Aussätziger zu sein. Der ehemalige Atommanager Klaus Traube berichtet über den hartnäckigen Kampf des gelernten Lehrers Hans Roth um sein Recht“, 12.11.1977
  10. Zeitungsartikel „Eltern wollten ihr Kind nicht von dem „Kommunisten“ unterrichten lassen“, bei dem leider die Angaben fehlen, wann und wo er erschienen ist

Weitere Dokumente:

Hans Roth – »Aufrichten oder abrichten« (Seiten 52–75)
(PDF, 8 MB), Erläuterung von N. Thelen-Khoder)

»Dokumentation zu Hans Roth« (Blaue Mappe, 1.5.1986)
(PDF, 10 MB, Erläuterung von N. Thelen-Khoder)

»Geheime Verfassungsschutzakten contra Menschenwürde« – Dokumentation (Frühjahr 1978)
(PDF, 13 MB, Erläuterung von N. Thelen-Khoder)

»Wer schützt uns vor’m Verfassungsschutz?« – Dokumentation (Frühjahr 1977)
(PDF, 10 MB, Erläuterung von N. Thelen-Khoder)

»Berufsverbot in Hessen – Eine Agitation mit Tatsachen« (Juli 1975)
(PDF, 20 MB, Erläuterung von N. Thelen-Khoder)

Hans Roth – »Betrifft Erziehung« (Auszüge von 1977 und 1981)
(PDF, 2 MB)

Hans Roths Bücher (Buchcover)
(PDF, 0,2 MB)

Hans Roth – »Eidesstattliche Erklärung, politisches Testament« (Okt. 2008)
(PDF, 0,1 MB)

Hans Roth – Erklärung vom 17.3.2009
(PDF, 0,1 MB)

N. Thelen-Khoder: Nachtrag zur Petition für Hans Roth (28.3.2009)
(PDF, 6 MB)

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